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	<title>Philopraxis</title>
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Was
ist eine Philosophische Praxis?








Schon
im antiken Griechenland gab es philosophische Schulen wie z.B. die Schule des
Platon, des Aristoteles, die Schulen der Stoiker, der Skeptiker und der
Epikureer, um nur die berühmtesten zu nennen. Ähnliche Schulen gab es zur
selben Zeit auch in Asien, so z.B. in China die Schule des Zhuangzi und des
Konfuzius. In all diesen Schulen befasste man sich mit Fragen der
Lebensführung, der Lebenskunst, der Bildung, der Heilkunst, der Ethik und
Ästhetik, sowie mit Beziehungsfragen, mit Fragen also, die nach einem guten und
richtigen Leben suchten, sowohl den Körper als auch die Seele betreffend. Die
antike Philosophie befasste sich mit Fragen, die vor allem das Leben des
Einzelnen und der Gemeinschaft in der Welt betrafen, war also eine zutiefst
praktische Philosophie. Theoretische Fragen standen eher im Hintergrund. 



Im
Laufe der Jahrhunderte wurden dann Fragen der Lebenspraxis in den Hintergrund
gedrängt, ab dem späten Mittelalter bis heute ist Philosophie vor allem eine
universitäre, akademische und sich mit Theorien und abstrakten Ideen befassende
Wissenschaft.



In den
letzten Jahrzehnten nun begann eine Rückbesinnung auf die Anfänge der
Philosophie, Überlegungen zu einer „Kunst des Lebens“ hielten wieder Einzug.
Als ein Ausdruck dieser Bewegung ist das Entstehen von Philosophischen Praxen
anzusehen. Andere Erscheinungsformen sind z.B. Philosophische Cafés, das
Philosophieren in Kindergärten und Schulen, philosophische Wanderungen und
vieles mehr.







Was erwartet
Sie nun in unserer Philosophischen Praxis? Jedenfalls erwartet sie eine
Atmosphäre der Offenheit und des Wohlwollens, der Nachdenklichkeit, des
gemeinsamen Überlegens und Nachdenkens über Ihre Fragen und Probleme. Es geht
nicht darum, schnelle Antworten zu finden, sondern Sie durch gute Fragen auf
einem für Sie passenden, persönlichen Weg zu begleiten. Philosophische
Vorkenntnisse sind nicht notwendig.






„Wer
sein Leben als ein eigenes gestalten will, muss den Punkt kennen, wo er aufhört, sich formatieren und informieren zu lassen.“



Rüdiger
Safranski















Was
ist ein philosophisches Gespräch?






















Philosophie – besser, das Philosophieren
– ist ein uraltes Handwerk, das uns irgendwo zwischen Ladekabeln und Updates,
zwischen Talkshows und Zahnarztterminen, zwischen Bankspesen und Yogastunden,
verloren gegangen ist. Damit einhergehend haben wir nicht nur vergessen was man
in der antiken Philosophie eudaimonia – ein gutes, gelingendes Leben –
nannte. Auch eine Gesprächsform ist uns damit weitgehend abhanden gekommen,
welche wir das philosophische Gespräch nennen.



Woran können wir erkennen, dass ein
Gespräch als philosophisches Gespräch bezeichnet werden kann? Welche Merkmale
und Besonderheiten sind kennzeichnend für ein philosophisches Gespräch?



Ein philosophisches Gespräch ist nicht
nur dadurch charakterisiert, dass oft existenzielle Themen wie der Umgang mit
schwerer Krankheit, Sterben, Tod, Trauer, Sinn oder anderen wichtigen
Lebensthemen im Mittelpunkt stehen, auch nicht nur dadurch, dass es manchmal um
schwer zu definierende Begriffe wie Würde, Freiheit, Autonomie geht.



Ein philosophisches Gespräch ist
insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass es einer bestimmten Methode, einer
bestimmten Form bedarf. Und diese Form des philosophischen Gesprächs ist durch
die Vorrangigkeit von Fragen gekennzeichnet. Es ist gar nicht so einfach,
primär Fragen in den Blick zu nehmen, gute und wahrhaftige Fragen zu stellen,
oder wie Rainer Maria Rilke meint, die Fragen lieben zu lernen. Oft neigen wir
dazu, vorschnell unsere Meinungen und fertigen Antworten kund zu tun und
Behauptungen aufzustellen. In einem philosophischen Gespräch wird hingegen
versucht, Meinungen und Überzeugungen – auch die eigenen – zur Diskussion zu
stellen, zu hinterfragen, kritisch zu beleuchten. Auch sich zu fragen: Wie bin
ich zu dieser Meinung gekommen? Warum denke ich das eigentlich? Warum drängt
sich mir diese Überzeugung auf? Diese Fragen mögen anfangs ungewohnt sein. Mit
solchen Fragen aber können wir unsere Meinungen, Einstellungen, Menschen- und
Weltbilder prüfen und klären. Und vielleicht stellen wir fest, wie wenig wir
wirklich wissen, auf wie wackeligen Beinen so manche liebgewonnene Überzeugung
steht.



Um diese Form des philosophischen
Gesprächs zu verwirklichen, ist – als weiteres wichtiges Element – ein
Innehalten, ist Langsamkeit, Behutsamkeit und Genauigkeit notwendig. Da bei
existenziellen Fragestellungen so manches schwer auszudrücken ist, bedarf es
manchmal eines Ringens um Worte, um eine passende Formulierung, einen
zutreffenden Ausdruck.



Eine der schwierigsten Aufgaben in einem
philosophischen Gespräch ist die zumindest zeitweilige Suspendierung der
eigenen Vorannahmen, das Zurückstellen der eigenen Überzeugungen. Solange wir
auf unserer Meinung beharren und sie verteidigen, solange wird Veränderung kaum
möglich sein, wird sich in einem Gespräch wahrscheinlich keine neue Perspektive
auftun. Erst wenn die eigene Meinung pausiert wird, kann es – ohne Zeit- und
Handlungsdruck – in die freie Erkundung der jeweiligen existenziellen Frage
gehen und etwas Neues entstehen. Erst dann kann ein Gespräch transformativ,
also verändernd wirksam sein.



Nicht immer ist ein philosophisches
Gespräch möglich und sinnvoll. Wenn ein solches aber angestrebt wird, ist eine
gute und stabile Beziehung, ein freundschaftliches Verhältnis, ein sicherer
Rahmen die Basis. Es braucht Einfühlsamkeit, Gespür, Reflexionsbereitschaft,
Disziplin – ja, Disziplin – und manchmal ist auch eine Prise Humor von Vorteil.
So können philosophische Gespräche verändernd wirken, Tiefe in das Gespräch
bringen und zur gleichen Zeit die Beziehung vertiefen.</description>
		
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